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Andreas Wessels: Gute alte Zeiten und Legats
legendäre Fahrstunde
(aj)
Wenn in Bochum und beim VfL der Name „Kaiser“ fällt, ist sofort
klar,wer gemeint ist.Rund ums Ruhrstadion ist dann von Andreas
Wessels (38) die Rede. Nicht etwa von Franz Beckenbauer. Der ehemalige
Torwart mit dem adeligen Spitznamen lebt heute mit seiner Familie
in Köln: „Hier kennt mich aber keiner als Kaiser, hier heiße ich
Andi. Nur wenn ich alte VfLKollegen treffe, bin ich für die immer
noch der Kaiser.“ Im Gespräch mit „Mein VfL“ blickt er auf seine
Zeit in Bochum zurück.
Andreas Wessels wechselt 1986 zum VfL. Geboren und aufgewachsen
am Niederrhein, hat er es bis zum Stammtorhüter beim Oberligisten
Viktoria Goch gebracht. Als VfL-Trainer Hermann Gerland gerade
die neue Saison plant, erhält er von Erich Rutemöller den entscheidenden
Tipp: „In Goch spielt ein Guter im Tor. Teste den bei dir im Training.“
Kurz darauf stellt sich Andreas Wessels in Bochum vor – und überzeugt
Gerland. Der „Tiger“ sucht einen jungen, ehrgeizigen Keeper, der
sich als Nr. 2 hinter Ralf Zumdick entwickeln kann. Heute sagt
Wessels: „Von Katze Zumdick habe ich unheimlich viel gelernt.
Übungen im Training, Konzentration aufs Spiel. All das kannte
ich so aus der Oberliga nicht.“ Lange muss er zunächst auf seine
Chance warten. Erst 1989 setzt der neue Coach Reinhard Saftig
auf Wessels. „Katze und ich sind aber immer prima klargekommen.
Das war ein gutes Verhältnis. Nicht so wie bei Schumacher und
Stein“, lacht er heute.
Insgesamt 121 Spiele bestreitet der „Kaiser“ für den VfL Bochum
bis 1995 in der Bundesliga. Seinen Spitznamen hat er aber schon
in den ersten Wochen in Bochum weg. Andreas Wessels erklärt: „Beim
beliebten Eckenspiel fünf gegen zwei war ich immer ganz gut. Einmal
habe ich mit der Hacke einen Beinschuss gegen einen Mitspieler
verteilt. Einer meinte dann: Du spielst ja wie der Kaiser. Das
blieb hängen.“ Wenn er heute über seine Zeit in Bochum spricht,
redet er von „wunderschönen Jahren“. Mit Jupp Nehl hat er in Altenbochum
in der Bonhoefferstraße Tür an Tür gelebt. „Ich bin mit meiner
heutigen Frau Susanne damals in die alte Wohnung von Heinz Knüwe
gezogen. Jupp hat das Appartement nebenan genommen. Da haben wir
viel Zeit gemeinsam verbracht.“
Lange
spielen beide für den VfL, ehe es Andreas Wessels 1995 zu Fortuna
Köln zieht. Die Begründung: „Klaus Toppmöller hat mit Ernst und
Gospodarek zwei neue Torhüter geholt. Er wollte einen Neuanfang.“
Wenig später muss Wessels aber seine Karriere beenden. Nach großen
Problemen am Sprungbein wird er Sportinvalide.
Das Leben als Fußball-Profi ist beendet, er setzt sich neue Ziele.
Neben Ehefrau Susanne gehören inzwischen die Söhne Miron, Bent
und Jan zur Familie. Lebensmittelpunkt bleibt Köln. Und dort hat
der Unternehmer Wessels eine neue Geschäftsidee entwickelt. Nicht
weit entfernt vom alten Müngersdorfer Stadion betreibt er eine
Halle mit acht Fußballfeldern. Die sind komplett umrandet, die
Unterlage ist Kunstrasen.
„Nach Witten, Dortmund und Oberhausen sind wir die vierte SOCCER-WORLD.
Hier in Köln kommt das riesig an, die Nachfrage nach freien Zeiten
ist groß.“ Zur Eröffnung in diesem Herbst kam auch der VfL Bochum
mit der rewirpower-Traditionsmannschaft. Sehr zur Freude des Ex-Keepers:
„Die alten Kumpels wiederzusehen, war schön. Rob Reekers, Ata
Lameck, Michael Rzehaczek bin ich dankbar, dass sie sich die Zeit
genommen haben.“ Zudem arbeitet er für den Sportartikelhersteller
Derbystar, der den VfL mit Bällen beliefert und auch Christian
Vander ausrüstet. Allein deswegen kommt der 38jährige ab und an
dienstlich nach Bochum.
Dort hat er auch die lustigste Geschichte seiner Profi- Karriere
erlebt: „Als 17jähriger trainierte Thorsten Legat schon bei uns
mit. Er war gerade dabei, seinen Führerschein zu machen. Wir mussten
oft auf anderen Plätzen trainieren und sind mit unseren Autos
dahingefahren. Katze und ich haben dann einmal zu Thorsten gesagt:
Heute fährst du! Du machst bei uns eine Gratis-Fahrstunde! Der
ist munter durch Bochum gebrettert. Und wir hatten unseren Spaß.
Als uns am Stadion schließlich Jupp Tenhagen gesehen hat, gab
es ein fürchterliches Donnerwetter!“ Schmunzeln darf man drüber
– zumal das Vergehen wohl mittlerweile auch verjährt ist.
Text und Fotos erstmalig erschienen im Stadionmagazin
"Mein VfL"
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