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„Bochum” feiert Jubiläum

14.08.2009

„Bochum” feiert Jubiläum

Der 14. August 1984 ist aus Bochumer Sicht ein ganz spezieller Tag. An jenem Datum veröffentlichte Herbert Grönemyer, der bis dahin vornehmlich als Schauspieler wahrgenommen wurde („Das Boot”), sein bis dato erfolgreichstes Album. Der schlichte Titel: „4630 Bochum”. Eine Ode an die Heimstadt, mit einer gesungenen Liebeserklärung in Richtung VfL.

Acht Jahre später wurde der Titelsong „anne Castroper” zum Kult erhoben. Es war der 20. März 1992, unser VfL stand einmal mehr mit dem Rücken zur Wand und fand sich auf dem 18. Tabellenplatz (von damals 20) wieder. Die prekäre Lage hatte sich nach einem auf den letzten Drücker erzielten 2:1 Auswärtserfolg in Mönchengladbach zwar ein wenig entspannt, doch allein der Gegner an jenem 29. Spieltag versprach Brisanz, handelte es sich doch um den Lokalrivalen Wattenscheid 09. Die „Steilmänner“ waren zu jener Zeit ein paar Ränge höher angesiedelt als der VfL, und nicht wenige 09-Anhänger bekannten plakativ „Wattenscheid statt Bochum“.

Das identitätsstiftende Lied für die Ostkurve aus dem Munde Grönemeyers kam an jenem Abend erstmalig unmittelbar vor dem Anpfiff zum Einsatz, beeindruckend illuminiert von bengalischem Feuer, wie sich Augenzeugen versonnen erinnern. Die Bengalos sind inzwischen im Stadion verboten, der Song hingegen ausdrücklich erwünscht. Bis heute ist „Bochum“ integraler Bestandteil einer jeden VfL-Choreografie vor dem Anpfiff, lautstark auch in den Spielertunnel übertragen, sodass selbst den Gästeakteuren leichte Schauer über den Rücken jagen. Grönemeyers Hymne war übrigens seinerzeit fast das einzige Highlight des Spiels, das Nachbarschaftsduell endete nach Toren von Frank Hartmann (Eigentor) und Thomas Langbein mit 1:1. Am Ende retteten sich beide Clubs, auch tabellarisch war die Ordnung wieder hergestellt: der VfL wurde 15., die SG 09 belegte Platz 16.

Mit dem Album „4630 Bochum“ stellte sich für Herbert Grönemeyer der große Erfolg im Musikgeschäft ein. Das Album, dessen Titel sich auf die damalige Postleitzahl der Stadt bezieht, hielt sich 79 Wochen in den Top 100 der Hitparade. Während weltweit Michael Jacksons „Thriller“ das erfolgreichste Album des Jahres wurde, ging dieser Titel in Deutschland 1984 an Grönemeyer. Vor allem die Singleauskopplung „Männer“ machte den Künstler in ganz Deutschland bekannt. Und der Titelsong mauserte sich zur inoffiziellen Hymne der Stadt, von den Fans in der Ostkurve in der Auftaktzeile mit einem liebevollen Echo versehen: Tief im Westen-hen-hen-hen.

Mittlerweile ist Herbert Grönemeyer auch Mitglied beim VfL, selbstverständlich unter der Mitgliedsnummer 4630. Der Rahmen, in dem ihm die Mitgliedschaft verliehen wurde, hätte feierlicher nicht sein können: 31.328 Zuschauer im ausverkauften rewirpowerSTADION, strahlender Sonnenschein und eine Ostkurve, die gemeinsam mit dem Sänger die Mannschaftsaufstellung skandierte und anschließend „Bochum“ schmetterte. Der Rest ist Schweigen und auch der Künstler möchte über den weiteren Verlauf des Nachmittags nur ungern sprechen. Nur so viel ist bekannt: Der VfL verlor mit 0:6 gegen Werder Bremen und Grönemeyer war seitdem nur noch zu PR- oder Konzertterminen an der Castroper Straße anwesend.

Drei Konzerte gab Bochums Barde seit dem Mega-Erfolg des Albums in seiner Heimatstadt, zuletzt im Juni 2009, als er mit den Bochumer Symphonikern zusammen seine Songs in klassisches Gewand hüllte und so dem Publikum eine völlig neue Version von „Bochum“ bot. Dass er gerade dieses Lied besonders oft und gerne variiert, ist bekannt. Die Lieblingszeile der blau-weißen Fan-Schar – „machst mit dem Doppelpass jeden Gegner nass, du und dein VfL!“ – wird je nach Aufführungsort gerne den Gegebenheiten angepasst. Da durften schon mal in Berlin die Hertha und Tennis Borussia dran glauben, in der VELTINS-Arena wurde S04 „auf dem Kanaldeckel“ nass gemacht. Klappt das am kommenden Sonntag, hören wir zig tausendfaches Echo á la Grönemeyer.

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