Historie / VfL-Legenden

Hans Walitza: Ein Ruf bis nach Madrid
127 Tore in 182 Spielen – solch eine traumhafte Trefferquote kann in der Geschichte des VfL Bochum nur ein Spieler nachweisen: Hans Walitza, der unser Team als Mannschaftskapitän und „Torjäger vom Dienst“ 1971 in die Bundesliga schoss. Bis heute ist die Tormarke des „Bombers von Bochum“ unerreicht. Ein Interview mit der VfL-Legende:

Hans Walitza, in Ihrem Wohnzimmerschrank stehen dicke Ordner mit Zeitungsartikeln aus Ihrer Karriere. Was denken Sie, wenn Sie heute eine Schlagzeile lesen wie „Hans Walitza ist der Gerd Müller des Westens“?

Die Zeit beim VfL war mit Sicherheit die schönste meiner Karriere – und dazu die erfolgreichste. Wir hatten eine tolle Kameradschaft hier und richtig gute Fußballspieler in unseren Reihen. Mit dieser Truppe musste uns einfach früher oder später der Aufstieg gelingen. Und bei solch einem Umfeld war es natürlich einfacher für mich, so viele Tore zu schießen.

Damals wollten Sie viele Spitzenvereine zu sich locken. Sie aber sind bis 1974 in Bochum geblieben – um dann ausgerechnet zum Zweitligisten Nürnberg zu wechseln…

Das war sicherlich eine der schicksalhaften Entscheidungen meiner Karriere. Ich wollte damals nämlich eigentlich gar nicht nach Nürnberg. Davor hatten ja schon Bayern München, Feyenoord Rotterdam und für kurze Zeit sogar Real Madrid angeklopft, aber nie hat mich der VfL ziehen lassen. Erst als der Verein plötzlich schnell Geld brauchte, wurde ich für eine Rekordablöse von 666.000 Mark an den Club verkauft. Ich bin in Nürnberg aber fußballerisch nie mehr so glücklich geworden wie hier in Bochum.

Wie wurde denn ausgerechnet Real Madrid auf Sie aufmerksam?

Das hat mich selbst total überrascht. Real war damals händeringend auf der Suche nach einem Ersatz für seinen Torjäger Santillana, weil dem angeblich eine Niere fehlte. Genau in dieser Zeit hatten wir mit dem VfL ein Spiel bei Bayern München, bei dem wohl auch zwei Beobachter von Real Madrid waren. Also war ich plötzlich am nächsten Tag mit einem großen Bild auf der Titelseite von Spaniens größter Sportzeitung und der Schlagzeile: „Kommt Walitza zu Real?“. Kurz danach hat sich aber herausgestellt, dass der Santillana doch zwei Nieren hatte, da hatte sich das leider von selbst erledigt.

Wie intensiv verfolgen Sie heute den VfL?

Ganz ehrlich, das ist nicht mehr meine Fußball-Welt. Ich schaue mir zwar immer noch gerne auf Premiere die Bundesligaspiele an, aber ins Stadion bin ich in den letzten acht Jahren nur ein einziges Mal gegangen. Ich müsste auch lügen, wenn ich sagen würde, dass ich noch VfL-Fan bin. Dieses Kapitel ist für mich abgeschlossen, es war eine schöne Zeit.


Dieses Interview erschien am 12.11.2004 im Stadionmagazin "Mein VfL"