Historie / VfL-Legenden

Frank Schulz: Das irre Werder-Spiel und seine Herzenssache
(aj) „Ein Wahnsinnsspiel!“ meint Frank Schulz auch jetzt noch. „Dieses Heimspiel gegen Werder Bremen in der Saison 1983/84 hätten wir gewinnen müssen.Wir haben schließlich bis zur 75. Minute 3:0 geführt.“ Schulz schüttelt den Kopf. Auch über 14 Jahre später kann er sich an fast alle Einzelheiten des 3:3-Remis erinnern.

Dass an diesem 28. Januar 1984 überhaupt im Ruhrstadion Fußball gespielt wird, ist fast noch kurioser als der Spielverlauf. Reichlich Schnee bedeckt die Spielfläche an der Castroper Straße. Rasenheizung ist noch ein Fremdwort. „Aber damals warst du gerade im Winter auch auf die Zuschauereinnahmen angewiesen. Auf ganz schlechtem Boden sind wir gegen Werder angetreten.“, erinnert sich Frank Schulz.

Für den damals 21jährigen ist es die erste seiner insgesamt vier Spielzeiten im VfL-Trikot. Im Sommer holt ihn der VfL Bochum vom Oberligisten Westfalia Herne. In seiner Heimatstadt spielt Schulz am Schloss Strünkede überragend, erzielt Tor um Tor. Nach einem Probetraining bei Rolf Schafstall ist schnell klar: Schulz wird Profi.

Er gilt als hoffnungsvollster Neuzugang neben einem gewissen Stefan Kuntz, Stürmer vom Drittligisten Borussia Neunkirchen. „Gegen Werder am 19.Spieltag läuft kaum ein Ball, vieles ist auf Zufall ausgerichtet. Kuntz und zweimal Christian Schreier bringen uns 3:0 in Führung.“, kennt Schulz noch ganz genau die VfL-Torschützen aus dieser Partie. Doch 19000 Zuschauer im Ruhrstadion erleben die vielleicht schwärzeste Schlussviertelstunde einer Bochumer Bundesliga-Elf.

Das Unheil beginnt mit dem Eigentor von Verteidiger Ivan Zugcic in der 75.Minute. „Frank Neubarth in der 76. und Rudi Völler dann drei Minuten vor Schluss treffen zum 3:3. Wäre es noch zwei Minuten länger gegangen, wir hätten verloren. Ganz sicher.“ In der Bremer Mannschaft standen damals auch die heutigen Bundesliga- Trainer Benno Möhlmann und Thomas Schaaf. Frank Schulz selbst ist beim VfL eine feste Größe. Der Mittelfeldspieler verpasst in seinen ersten beiden Saisons kein einziges Spiel. Erst eine Verletzung unterbricht seine tolle Serie.

1987 wechselt er schließlich zu Eintracht Frankfurt und feiert 1988 in Berlin seinen größten Erfolg: DFB-Pokalsieger. „Ausgerechnet gegen Bochum. Das war einerseits wunderschön, tat aber auch etwas weh. Beim VfL hatte ich nämlich eine tolle Zeit.“ Den Namen Detari hat in Bochum seit diesem Finale wohl niemand vergessen…

Nach seiner aktiven Karriere, später noch Mönchengladbach und VfL Osnabrück, wird Schulz Trainer. Der A-Lizenzinhaber, der mit seiner Familie in Dülmen wohnt, betreut den Westfalen-Oberligisten Lüner SV. Nun trifft er als Coach auf den VfL Bochum. „Leider haben wir am 3.Spieltag 0:1 verloren. Aber im Rückspiel wollen wir die Amateure packen“, gibt er sich kämpferisch. Typisch für die Mentralität von Frank Schulz, der seinem jungen Team den Ehrgeiz vorlebt: „Du musst brennen, alles geben. Auch wenn es manchmal so scheint, du könntest das Angestrebte nicht erreichen.“

Diese Einstellung hilft ihm bei Beruf und Hobby. Schulz betreut für die Continentale-Versicherung Sportvereine in NRW. Darüberhinaus ist ihm ein Projekt ganz besonders wichtig: „Ich helfe herzkranken Jungen und Mädchen und versuche mit einer Stiftung Leben zu retten.“ Das „Deutsche Zentrum für herzkranke Kinder e.V.“ ermöglicht ausländischen Kindern eine Operation in Deutschland. „Das kostet natürlich viel Geld. Meine Aufgabe ist es, über verschiedene Veranstaltungen Sponsoren zu finden und Spenden zu bekommen, die bei den ganz Kleinen den sicheren Tod verhindern.“, erklärt Schulz, der mit seinen Kontakten schon einige Benefizspiele organisiert hat.

„Auch schon mit dem VfL. Wäre klasse, wenn das noch mal klappt. Es kommt auf jeden Euro an.“ Wenn auch Sie herzkranken Kindern helfen möchten, können Sie sich direkt an Frank Schulz wenden.

Tel.: 02594/787779 • 0172/2041950

Informationen zur Stiftung gibt es auch im Internet: www.dz-kinderherz.de


Dieser Text erschien erstmals im Stadionmagazin "Mein VfL", Ausgabe 29.9.2002