Historie / VfL-Legenden

Christian Schreier:
Zehn Jahre VfL, Bayer - und Carl Lewis
(aj) Wenn heute der VfL Bochum auf Bayer 04 Leverkusen trifft, fallen allen Fans jede Menge Spieler ein, die in der Bundesliga für beide Vereine aktiv waren. Insbesondere in den 80ern war Bayer 04 eine richtige Bochumer Filiale. Neben Christian Schreier, den wir für diese Ausgabe von „Mein VfL“ interviewt haben, trifft das auch auf Ulrich Bittorf, Dieter Bast, Wolfgang Patzke, Martin Kree und Jupp Nehl zu.

Der am vergangenen Dienstag 44 Jahre alt gewordene Schreier begann beim VfL seine Bundesliga- Karriere (1981- 84), ehe er mit Bayer 04 1988 den UEFACup gewann und damit für den bislang größten Erfolg in der Leverkusener Vereinsgeschichte sorgte. Heute arbeitet Christian Schreier als Trainer beim Nordost-Oberligisten FC Schönberg 95. „Mein Wohnsitz ist nach wie vor Bochum. Meine Familie lebt dort, und nach unseren Spielen fahre ich regelmäßig aus Schönberg zurück.“ Sein neuer Arbeitsplatz liegt in Mecklenburg-Vorpommern, auf halber Strecke zwischen Rostock und Lübeck.

„Seit Sommer bin ich Trainer der Mannschaft. Über eine Anzeige im Kicker bin auf den Klub aufmerksam geworden und habe mich dann gegen 52 Mitbewerber durchgesetzt“, berichtet Schreier. Im Pokal hat der FC Schönberg in der ersten Runde gegen den Hamburger SV verloren. In der Liga steht die Schreier-Elf auf Platz eins, kämpft mit den Amateuren von Hertha BSC um den Aufstieg in die Regionalliga Nord. Für Christian Schreier ist es die dritte Station seiner noch jungen Trainer-Laufbahn. Begonnen hat er sie bei Vorwärts Kornharpen, bevor er als Co-Trainer zum 1. FC Saarbrücken wechselte. Als Empfehlung bringt er die Erfahrung aus über 15 Jahren als Profi mit. Erste Sporen verdiente er sich als Newcomer beim VfL Bochum. „Klaus Hilpert hat mich 1981 zum VfL gebracht. Als 22jähriger habe ich beim Oberligisten TuS Schloss Neuhaus in Paderborn zuvor sehr gute Leistungen gezeigt und nach einem Probetraining war dann auch Trainer Rolf Schafstall von mir überzeugt“, erinnert sich Schreier.

Der beim SuS Merklinde groß gewordene Offensivspieler wird schnell zum Leistungsträger in der Bundesliga. In seinen drei Jahren beim VfL Bochum verpasst er ganze vier Spiele. Dabei, so stellt er heute fest, passte die Mischung in der Mannschaft: „Bast, Knüwe und Woelk waren etablierte Bundesliga-Profis. Junge, hungrige Spieler wie Bittorf, Patzke, Michael Jakobs oder auch ich haben uns aber im täglichen Training unsere Aufstellungen am Samstag verdient. Am Wochenende in der Startelf zu stehen, war die Belohnung für die Anstrengungen unter der Woche.“ In seinen 98 Partien für den VfL Bochum schießt Christian Schreier 35 Tore.

Schnell interessieren sich andere Bundesligisten für ihn, bieten dem chronisch finanzschwachen VfL viel Geld. Irgendwann erliegt der Verein den Angeboten und transferiert Schreier zu Bayer 04 Leverkusen. „Lange“, weiß der gebürtige Bochumer zu berichten, „hat der VfL den Wechsel nicht offiziell bestätigt. Auch ich war ja quasi ein Notverkauf. Man wollte wohl den Fans so lange wie eben möglich verschweigen, dass schon wieder einer verkauft werden muss.“ Trotzdem müssen die VfL-Anhänger nicht auf einen Schreier verzichten.

Der jüngere Bruder Toni unterschreibt für zwei Jahre beim VfL. In seiner Zeit in Leverkusen (´84-´91) feiert Christian Schreier persönlich seine größten Erfolge. 1984 und 1988 steht er in der deutschen Nationalmannschaft, die in Los Angeles und Seoul am olympischen Fußballturnier teilnimmt. Von „großartigen Erlebnissen“ spricht Schreier rückblickend: „Wenn Carl Lewis oder Ben Johnson dir im olympischen Dorf begegnen, vergisst du das sicherlich nie.“ Die erfreuliche materielle Erinnerung an Seoul 1988 ist die Bronzemedaille, die das Team von Trainer Hannes Löhr gewinnt.

Sogar ein Spiel für die A-Nationalmannschaft bestreitet Schreier. Im ersten Länderspiel unter Teamchef Franz Beckenbauer wird er 1984 in Düsseldorf beim 1:3 gegen Argentinien eingewechselt. Auf internationaler Bühne folgen viele Europapokal-Einsätze. Absoluter Höhepunkt: 1988 der Gewinn des UEFACups mit Leverkusen gegen Espanyol Barcelona im alten Ulrich-Haberland-Stadion. Heute hat Schreier nach wie vor beste Kontakte nach Bochum und Leverkusen. Und deshalb wird er aus Schönberg den Ausgang des direkten Duells seiner ehemaligen Vereine ganz besonders aufmerksam verfolgen.


Dieser Text erschien erstmals im Stadionmagazin "Mein VfL", Ausgabe 8.2.2003