Historie / VfL-Legenden

Hilko Ristau: Noch einmal Zweite Liga
Er will dort hin, wo der VfL gern heraus möchte: Hilko Ristau peilt in dieser Saison mit Rot-Weiß Essen die direkte Rückkehr in die 2. Bundesliga an. Zweimal ist dem Verteidiger bereits ein Wiederaufstieg geglückt: 2000 und 2002 half Hilko Ristau dabei, unseren VfL zurück ins Oberhaus zu führen.

An sein letztes Spiel im VfL-Trikot erinnert sich Hilko Ristau immer noch besonders gern: "Das 3:1 in Aachen", schwärmt der 31-Jährige auch über drei Jahre nach dem Aufstiegsfinish am Tivoli, "war vielleicht das dramatischste Spiel meiner Karriere. An den Aufstieg damals hatte ich ehrlich gesagt selbst kaum noch geglaubt."

Ebenso wenig hätte Hilko Ristau an diesem 5. Mai 2002 wohl für möglich gehalten, das dieses vielleicht schönste Spiel für den VfL zugleich sein letzter Auftritt für unser Team war. Schließlich hatte der Verteidiger in der damaligen Saison immerhin 19 Einsätze erreicht und glaubte sich im Verein hoch im Kurs: "Beim VfL fühlte ich mich rundum zufrieden. Ich wäre gern da geblieben und hatte eigentlich auch mit einer Vertragsverlängerung gerechnet", blickt Ristau immer noch etwas wehmütig auf den Sommer 2002 zurück.

Denn statt für Hilko Ristau entschied sich der VfL damals für den Kauf des Kameruners Raymond Kalla, der fortan die Defensivposition des gebürtigen Bremerhaveners übernahm. Der damals 28-Jährige musste sich unverhofft und schnell nach einem neuen Arbeitgeber umsehen - und fand diesen erst kurz vor Saisonstart beim damaligen Regionalligisten 1. FC Saarbrücken.

Seinem bis heute guten Verhältnis zum VfL hat dieses etwas abrupte Ende der gemeinsamen Zeit dennoch keinen Abbruch getan: Mit Zeugwart Andreas Pahl und Martin Meichelbeck telefoniert Ristau noch immer regelmäßig und im aktuellen Aufstiegsrennen drückt Ristau dem VfL nicht nur deshalb mächtig die Daumen: "Über den VfL kann und will ich kein schlechtes Wort verlieren. Ich hatte hier eine sehr lehrreiche und teils auch sehr schöne Zeit."

Die Einschränkung ist Hilko Ristau wichtig, da er beim VfL - neben den beiden Aufstiegen, die er zu den unbestrittenen Höhepunkten seines Fußballerlebens zählt - auch die Schattenseiten des Profi-Daseins kennen lernte: So geriet Hilko in der Saison 2000/01 unter Rolf Schafstall, der nach 21 Spieltagen das Traineramt von Ralf Zumdick übernahm, völlig aufs Abstellgleis. Zuvor fester Bestandteil des Teams, spielte er unter dem neuen Coach keine einzige Minute mehr: "Da habe ich zum ersten Mal erlebt, wie schnell es im Fußball bergab gehen kann. Für mich war das eine sehr wichtige Erfahrung."

Lehrreich wohl auch deshalb, weil Ristau wenige Monate nach seinem Weggang aus Bochum noch einmal einen ähnlichen Karriereknick verkraften musste - wenn auch unter ganz anderen Umständen. Kaum in Saarbrücken angekommen, brach sich der Verteidiger in einem Spiel die Kniescheibe. Das von den Ärzten immer wieder angekündigte Comeback verzögerte und verzögerte sich, bis Ristau schließlich erst nach 14-monatiger Leidenszeit im Januar 2004 auf die Fußballbühne zurückkehren konnte.

Sein Verein hieß mittlerweile Rot-Weiß Essen, wo der Rekonvaleszent trotz seiner langen Krankenakte unter Ex-VfL-Trainer Jürgen Gelsdorf eine neue Chance erhielt: "Dieser Wechsel war im Nachhinein ein echter Glücksfall", freut sich Ristau, der damit nach seinen beiden ersten Profistationen Wattenscheid und Bochum ins Ruhrgebiet zurückkehrte. Denn bei RWE kämpfte sich der Abwehrmann zu alter Stärke zurück und stieg zum Schlüsselspieler auf, der aus der heutigen Mannschaft kaum mehr wegzudenken ist.

Und so verbindet Ristau, der wie schon zu Bochumer Zeiten in Köln wohnt, seine persönlichen Ambitionen mit denen seines neuen Teams: "Für mich zählt derzeit nur der Aufstieg mit RWE, ich will unbedingt noch einmal in der Zweiten Liga spielen", erklärt der Spieler, der bislang auf 131 Einsätze im Unterhaus kommt. Den entscheidenden Schlüssel auf dem Weg dahin sieht Ristau in einigen wenigen Spielen, die die Richtung für die gesamte Saison vorgeben: "Es gibt vielleicht vier oder fünf Partien im Laufe eines Jahres, die du einfach gewinnen musst. Der Rest geht dann fast wie von allein."

Essen ist das bis dato, wie Ristau unumwunden zugibt, noch nicht wirklich gelungen - ganz im Gegensatz zu seinem alten Verein: "Mit dem Sieg gegen 1860 hat der VfL genau so einen "big point" gelandet", glaubt er und ergänzt: "Durch solche Spiele steigst du am Ende auf. Um den Aufstieg des VfL mache ich mir deshalb momentan wenig Sorgen."

Gegen den SC Freiburg sieht Ristau heute wieder so ein "Sechs-Punkte-Spiel" auf den VfL zukommen. Und nicht nur ihn würde es freuen, wenn die Aufstiegs-Zuversicht danach wieder ein Stückchen größer geworden ist.


Dieser Text erschien erstmals im Stadionmagazin "Mein VfL", Ausgabe 21.10.2005