Historie / VfL-Legenden

Peter Peschel: Glücksfall Unterhaus?

In seinen besten Zeiten stand er auf dem Sprung in die Nationalmannschaft: Peter Peschel hat in zwölf Jahren beim VfL Bochum die schönsten Momente seiner Karriere erlebt. Dazu zählt der derzeit vereinslose Profi auch die drei Jahre mit Bochum in der Zweiten Liga. Sie hält er heute mit für die erfolgreichsten seiner Laufbahn.

Eigentlich sollte Peter Peschel momentan doch ausreichend Zeit für ein Interview haben. Schließlich ist der 33-Jährige nach seinem Weggang von Tennis Borussia Berlin in der laufenden Saison noch ohne neuen Klub. Peschel wartet nach eigenen Angaben weiter auf das richtige Angebot, um dann hoffentlich schon bald wieder in den Fußballzirkus einsteigen zu können: "Ich halte mich privat fit und warte auf den nötigen Anruf", macht Peschel deutlich, "meinetwegen kann es dann jederzeit wieder losgehen."

Aber auch wenn der Beruf derzeit pausiert, über zu viel Ruhe kann sich Peter Peschel momentan nicht beschweren. Und so ist es gar nicht so leicht, ihn zwischen zwei Terminen für ein kurzes Interview ans Telefon zu bekommen: "Ich habe derzeit wirklich mehr als genug um die Ohren", verrät Peschel, "bald steht mein Umzug zurück nach Bochum an und daher habe ich privat momentan so einiges zu organisieren."

Nach nur einem Jahr hat Peter Peschel seine Zelte bei Tennis Borussia Berlin wieder abgebrochen. Die Oberliga Nordost und die fremde Umgebung in der Hauptstadt waren auf Dauer nichts für den Spieler, der lange Zeit wie kein Zweiter mit dem VfL verbunden war. Volle zwölf Spielzeiten kickte Peter Peschel seit der Jugend bis zum 29. Lebensjahr am Stück im Verein und bestritt in dieser Zeit über 250 Pflichtspiele im blau-weißen Trikot. Treuer war in den letzten Jahren kein Profi beim VfL.

Und so ist es kaum noch verwunderlich, dass es Peschel nun nach dem Kurzabenteuer Berlin wieder zurück in den Westen zieht: "In Berlin war eigentlich alles wunderbar, aber auf Dauer gehöre ich doch einfach nach Bochum", erklärt Peschel, der bereits mehrere Angebote von auswärtigen Klubs abgelehnt hat: "Auf jeden Fall will ich jetzt hier in der Region bleiben."

Wenn er dann demnächst wieder richtig in der neuen alten Heimat angekommen ist, hat sich Peschel fest vorgenommen, will er auch wieder häufiger in das Stadion gehen, in dem die größten Erfolge seiner Fußballerkarriere feierte: "Der Einzug in den UEFA-Pokal und die internationalen Spiele im Ruhrstadion", nennt Peschel die Highlights seiner Laufbahn, schiebt jedoch sogleich hinterher: "Aber die drei Aufstiege waren für mich ebenfalls unvergessliche Erlebnisse." Besonders der für ihn letzte Wiederaufstieg im Jahr 2000 hat es Peter Peschel noch heute sichtlich angetan: "In dieser Saison habe ich vielleicht so konstant wie nie zuvor gespielt", erinnert sich der Offensiv-Spezialist, "damals habe ich in allen 34 Spielen mitgewirkt, 15 Tore geschossen und ungefähr noch einmal so viele vorbereitet."

Die Zweite Liga also als Glücksfall? Das kann und will Peter Peschel dann doch nicht so stehen lassen. "In dem einen Jahr passte das zwar alles sehr gut, aber auf Dauer gab es für mich persönlich und den VfL doch nur ein Ziel: die Rückkehr in die Erste Bundesliga", verdeutlicht Peschel die damaligen Ambitionen. Sie haben sich über die Jahre nicht verändert.

Auch im Jahr 2005 tritt der VfL mit der Vorgabe des unmittelbaren Wiederaufstiegs im Unterhaus an - ein Ziel, das für Peter Peschel auch im fünften Anlauf erneut realistisch scheint: "Das Team macht auf mich - auch wenn ich es diesmal nur von außen beobachten kann - wieder einen sehr starken Eindruck", schätzt der 120-fache Zweitligaspieler, der nach seiner Zeit beim VfL auch für den MSV Duisburg zwei Spielzeiten im Unterhaus kickte, "wohingegen die Liga insgesamt bestimmt schon einmal stärker besetzt war als in diesem Jahr." Und so glaubt Peschel, dass auch der Aufstieg 2005/06 für den VfL vor allem über die richtige Einstellung in den Köpfen der Spieler entschieden wird.

Nicht anders sei es ihm in den Spielzeiten 1993/94, 1995/96 und 1999/00 gegangen: "Wir hatten zwar in Bochum immer eine der spielstärksten Mannschaften der Liga, aber darauf haben wir uns niemals ausruhen dürfen. Letztlich hat uns gerade in der Zweiten Liga immer nur der nötige Kampf zum Ziel geführt." Gerade gegen die kleineren Vereine sei, erinnert sich Peschel, in erster Linie bedingungsloses Dagegenhalten gefragt gewesen: "Da muss der VfL in diesem Jahr vielleicht noch etwas dazulernen."

In solchen Sätzen hört der aufmerksame Zuhörer bereits den "neuen" Peter Peschel heraus - einer, der das Fußballspiel lieber kritisch analysiert, statt selbst vor den Ball zu treten: "Die nächsten zwei bis drei Jahre würde ich noch gern aktiv bleiben und dann einen Trainerschein machen", verrät der gebürtige Pole seine Zukunftspläne, "ich habe schon viele Ideen im Kopf".

Es hört sich also nicht gerade danach an, als habe Peter Peschel in Zukunft mehr Zeit für Interviews…


Dieser Artikel erschien am 13.09.2005 im Stadionmagazin "Mein VfL" in der Serie "Die Aufstiegshelden des VfL"