Historie / VfL-Legenden

Michael Lameck: Eine halbe Ewigkeit beim VfL

(aj) Fünfhundertachtzehn – kein VfL-Profi absolvierte bislang mehr Bundesligaspiele als Michael Lameck, den alle nur „Ata” nennen. Sechzehn Jahre lang erstklassig mit dem VfL Bochum: Lameck ist das Urgestein! Kaum vorstellbar, dass jemals ein Blau-Weißer seinen Rekord knacken wird. „Dem Slavo Freier traue ich es am ehesten zu”, meint Lameck, der im September seinen 53. Geburtstag feiern wird. „Voraussetzung dafür ist aber, immer gesund zu bleiben. Ich hatte das Glück.”

Dass „Ata” Lameck dem VfL so lange treu bleiben wird, hätte er sich wohl selbst nie träumen lassen, als er im Sommer 1972 nach Bochum wechselte. „Es erfüllte sich damals unser größter Wunsch”, erinnert sich Lameck genau. „Heinz Höher war mein Trainer beim ETB Schwarz-Weiß Essen. Er löste Hermann Eppenhoff ab und nahm Reinhard Majgl und mich als Spieler gleich mit. Endlich Bundesliga!”

Nach Bochum kam Lameck vor 30 Jahren schon ohne seinen eigentlichen Vornamen. Längst war er nicht mehr der Michael, sondern „der Ata”. Verpaßt haben sie ihm den „Spitznamen für die Ewigkeit” beim TuS Essen-West 81, seinem Heimatklub. Auf dem typischen Aschenplatz blieben die Trikots nicht lange sauber. „Als wir nach einem Spiel mal in die Kabine gingen meinte einer: Die Jungens kriegste wohl nur mit Ata wieder sauber.”, schmunzelt Lameck, dass ausgerechnet der Produktname eines bekannten Scheuermittels an ihm hängenblieb.

„Ata” mit VfL-Emblem auf der Brust, das gab’s zum ersten Mal in der Saison 1972/73. Zum Auftakt bei Eintracht Braunschweig stand er direkt in der Startelf. „Da passte alles”, meint er heute, „wir gewannen 2:0. Bradler, Galeski, Fechner, Wosab, Balte, Köper, Versen, Hartl, Majgl,Walitza und eben ich begannen für den VfL.” Seine Erinnerung an diesen 16.09.1972 ist lebhaft. Zu diesem Zeitpunkt ist Lameck übrigens Stürmer. Erst später schult „Ata” um, agiert defensiver, wird für den VfL der Stratege auf dem Platz.

Zentral im Mittelfeld liest er das Spiel, denkt voraus: „Sicherlich meine große Stärke und das Rezept, sich gegen bessere Individualisten durchzusetzen.” Er ist der Kopf des VfL, nicht nur weil er die Binde trägt. Saison für Saison kämpft er mit Profis wie Lothar Woelk, Dieter Bast, Walter Oswald, Heinz-Werner Eggeling und später Ralf Zumdick gegen den Abstieg. Immer erfolgreich. 1988 bestreitet er sein letztes Bundesligaspiel.

Im Ruhrstadion fegt der VfL am 16. April den VfB Stuttgart vom Platz. Der überragende Regisseur Andrzej Iwan schnibbelt dabei Nationaltorhüter Eike Immel aus 25 Metern einen Freistoß ins kurze Eck. „Ata” Lameck wird mit 38 noch mal eingewechselt, dann tritt er ab. Es ist Einsatz Nr. 518. „Und wieder gewonnen!”, denkt er noch mal an die Premiere in Braunschweig zurück und weiß, dass sich damit ein Kreis schließt.

Auch nach seiner aktiven Karriere hilft er dem VfL Bochum so gut er kann: Co-Trainer, Coach von Jugendmannschaften, Sichter. Alles hat er bereits gemacht. Und wenn’s darum ging, den VfL in der Öffentlichkeit zu repräsentieren, auch dann war „Ata” immer da. „Wenn’s die Zeit zulässt. Aber das geht nicht immer, ich bin ziemlich eingespannt.

Fußball spielt er jetzt immer noch mit Leidenschaft. Wenn die Achillessehne keine größeren Probleme bereitet, läuft er auf – natürlich im VfL-Trikot. „Mit der neugegründeten rewirpower-Traditionsmannschaft macht’s Spaß. Eggeling, Bast,Woelk, Oswald, Zumdick, Heinemann usw. sind dort am Ball. Wir spielen immer für einen guten Zweck.”

Den Profis von Peter Neururer traut er in dieser Saison was zu. „Mit Wosz, van Duijnhoven, Freier und vielleicht auch Kalla ist Qualität vorhanden. Der VfL gehört in die Bundesliga. Auch wenn’s hart wird: Wir bleiben drin!” Man merkt „Ata” an, dass hier sein großes VfL-Herz spricht. „Das Spiel in Nürnberg hat mir gefallen. Die Abwehr stand. In der Bundesliga absolut wichtig, um zu bestehen.” Gerne hätte „Ata” sich das Spiel im Frankenstadion selbst angeschaut. Doch das passte zeitlich nicht. „Kai Michalke und ich sind miteinander befreundet. Seine Karriere verfolge und begleite ich seit der Jugend hier in Bochum sehr genau. Leider konnte ich seine Einladung nach Nürnberg nicht annnehmen.”

Doch heute gegen Cottbus wird Lameck auf der Tribüne sitzen und die Daumen drücken. Vorher, aber das kennt er seit Jahren, werden ihn die Leute auf der Straße wieder nach dem VfL fragen. „Viele bringen mich damit immer noch in Verbindung. Die einen fragen mich nach meinem Tipp für das nächste Spiel, die anderen wollen Neuigkeiten erfahren. Ist doch schön, dass in Bochum wieder über den VfL geredet wird.” Und „Ata” redet mit.


Dieser Text erschien erstmals im Stadionmagazin "Mein VfL", Ausgabe 17.8.2002