Historie / VfL-Legenden

Hans-Jürgen Köper: "Gegen Dortmund wären wir gar nicht angetreten"
Das nennt man einen echten „Bochumer Jungen“: Sein ganzes Profileben (1970 – 1980) kickte Hans-Jürgen Köper nur beim VfL – und auch schon davor spielte er in den Jugendteams unseres Vereins. Köper war dabei, als die A-Jugend 1969 in Saarbrücken mit der Deutschen Meisterschaft ihren größten Erfolg erzielte. Für „Mein VfL“ warf er einen Blick zurück auf seine Anfänge als „Bochumer Youngster“.

Herr Köper, mit welchen Eindrücken schauen Sie heute auf das Siegerfoto ihrer A-Jugend Meisterschaft von vor über 35 Jahren?

Immer noch mit ein wenig Stolz, denn wir waren damals einfach eine Bombentruppe. Über vier Jahre waren wir quasi nicht zu schlagen. Es war ein echtes Privileg für mich, in dieser Jugend spielen zu dürfen, schließlich hatte der VfL damals neben Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt den Ruf der besten Nachwuchsarbeit in ganz Deutschland. Wir standen hier vor Schalke, Leverkusen und Köln – und gegen die Mannschaft von Borussia Dortmund wären wir damals wahrscheinlich gar nicht erst angetreten…

Was macht für Sie das Geheimnis des „Bochumer Modells“ von damals aus?

Das sind im Prinzip die gleichen Faktoren, die noch heute gelten. Hier in Bochum wurde kontinuierlich auf ein festes Ziel hingearbeitet – und alle zogen mit. Es wurden also nicht wie anderswo andauernd die Verantwortlichen gewechselt. Darüber hinaus haben uns damals unsere gemeinsamen Fahrten sehr zusammengeschweißt. Ich habe bis heute nicht vergessen, wie wir als erste deutsche Jugendmannschaft nach Russland und nach Israel gefahren sind. Dafür haben wir sogar Anzüge vom Verein gestellt bekommen.

Dennoch konnte der VfL danach lange nicht mehr an die Dominanz Ihrer Tage anknüpfen – erst in der letzten Saison stand wieder eine Bochumer A-Jugend im Finale um die Deutsche Meisterschaft. Wo liegen für Sie hier die Ursachen?

Schon damals sind meines Erachtens unsere Erfolge im Land nicht ausreichend gewürdigt worden. Nach dem Sieg in Saarbrücken kam Bundestrainer Helmut Schön zu mir und meinte: „Du wirst ein ganz Großer, wenn Du den VfL verlässt.“ Wenig später hatte ich dann ein Angebot von Eintracht Frankfurt auf dem Tisch – da hat die DFB-Lobby schön zusammengehalten. Das gleiche galt für die Jugendnationalmannschaft, in der du als VfL-Spieler kaum Chancen hattest. Ich bin damals trotz alledem in Bochum geblieben – und das war bestimmt auch nicht die schlechteste Entscheidung.

Wie sehen Sie die heutige Jugendarbeit des VfL?

Mit großer Freude! Ich habe mir vor zwei Jahren das A-Jugend-Halbfinale gegen den VfB Stuttgart angeschaut und in der letzten Saison das Meisterschafts-Endspiel in Köln – beide Male war ich beeindruckt von der Qualität der Mannschaft. In dem Jahrgang steckt viel Substanz, das scheint mir eine ähnliche Truppe zu sein wie wir damals. Dem VfL kann man es nur wünschen.


Dieses Interview erschien am 27.11.2004 im Stadionmagazin "Mein VfL"