Historie / VfL-Legenden

Dirk Helmig: Aufstieg in Wolfsburg
(aj) „Das Spiel in Wolfsburg vor acht Jahren“, sagt Dirk Helmig, den alle nur „Putsche“ nennen, „war ein Riesenerlebnis.“ Am drittletzten Spieltag der Saison 1993/94 schafft der VfL Bochum bei den Wolfsburgern seinen ersten direkten Wiederaufstieg. Dirk Helmig trägt damals das VfL-Trikot: „Das 1:0 von Dariusz Wosz war wie eine Erleichterung.“ Für Helmig ist es der Abschied vom VfL. Er geht zurück zu Rot-Weiß Essen. „Mein VfL“ blickt gemeinsam mit Dirk Helmig auf das Zweitliga- Spiel Wolfsburg gegen Bochum zurück und beleuchtet, was „Putsche“ Helmig heute macht.

„Unser Trainer Jürgen Gelsdorf hat in der Mannschaftssitzung vor dem Spiel nicht viel sprechen müssen. Allen war klar: Sieg in Wolfsburg und war wir sind durch!“, weiß Helmig von der Situation vor über acht Jahren zu berichten. Zu dominant ist der VfL Bochum in dieser Saison in der 2.Bundesliga. Nach dem ersten Spieltag noch Fünfter, gibt der VfL nach der zweiten Partie die Tabellenführung bis zum Ende nicht mehr ab. Helmig, Wosz, Aden, Heinemann und Co. steigen absolut verdient auf und „reparieren“ den Betriebsunfall des Abstiegs ein Jahr zuvor.

Helmig kommt im Januar 1991 von seinem Stammverein RWE nach Bochum. „Den Traum von der Bundesliga wollte ich mir beim VfL erfüllen. Bei Rot-Weiß an der Hafenstraße war das nicht möglich. Dass Reinhard Saftig mich damals haben wollte, passte mir genau in den Kram.“ Dirk Helmig ist der „Wühler“ im Mittelfeld: Laufstark, engagiert, torgefährlich. Wenn andere längst aufgeben, rennt er weiter. In jedem Spiel geht er bis an die Schmerzgrenze. Im wahrsten Sinne des Wortes. „Putsche“ erinnert sich: „Bei einem Spiel in Kaiserslautern wollte ich Stefan Kuntz etwas beim Einwurf stören, hielt die Entfernung zu ihm gering. Als er warf bin ich mit ihm hochgesprungen. Stefan hat mich mit dem Ball mit voller Wucht im Gesicht getroffen. Vor Begeisterung tobte die ganze Tribüne auf dem Betzenberg. Ich fand es nicht so lustig.“

Obwohl er sonst für jeden Flachs zu haben ist. Bildhaft erzählt er viele Anekdoten aus seiner aktiven Zeit: Kuriose Kabinenbesprechungen, unglaubliche Ausreden von Spielern und die Prophezeiung von Jürgen Gelsdorf: „Nach unserem 1:0 beim VfL Wolfsburg ging´s auf der Rückfahrt natürlich hoch her. Schließlich musste unser Aufstieg doch gefeiert werden. Gelsdorf und ich stießen mit einem Bierchen an und er meinte: Helmig, wenn Du mal nicht mehr Profi bist, wirst Du kugelrund. So´n richtig Dicker wirst Du!“ Jetzt mit 37 ist er gerade mal zwei Kilo schwerer als zu seiner aktiven Zeit.

Helmig lacht: „Schönen Gruß, Jürgen!“ Zeit um zuzunehmen hat er aber auch gar nicht. Der Terminplan des Familienvaters, der mit Frau Angeles, Sohn David (16) und Tochter Melina (9) in Essen wohnt, ist randvoll. Dirk Helmig arbeitet für den Essener Sportbund und leitet seit 1996 die Fußballschule „Ballkontakt“. „Ich bin viel unterwegs, aber was ich mache, ist ein Traumjob. Talente sichten, jungen Fußballern etwas beibringen, das ist eine tolle Herausforderung.“ Seit diesem Sommer führt er zudem verantwortlich das erste Essener Fußball-Teilzeitinternat.

Nach der Schule werden die neun- bis elfjährigen Jungen mit einem Fahrdienst ins Internat in Essen- Frohnhausen gebracht und erhalten dort erstmal ihr Essen. Der A-Lizenz-Inhaber erklärt: „Danach werden sie bei den Hausaufgaben betreut, bevor wir auf den Platz gehen. Ich denke, dass eine hochwertige Ausbildung entscheidend ist für den weiteren Weg. Sowohl in Schule oder Beruf als auch im Fußball. Mir ist es deshalb auch sehr wichtig, ausschließlich mit qualifizierten Pädagogen und Trainern zusammenzuarbeiten.“

Längst ist der Deutsche Fußball-Bund auf Dirk Helmig aufmerksam geworden. Nach den Richtlinien des DFB veranstaltet Helmig in Essen regelmäßig ein Stützpunkttraining. Gerade jetzt in den Herbstferien bietet er wieder Kurse in seiner Fußballschule „Ballkontakt“ an. Lange vor Beginn sind diese ausgebucht. „Jungen und Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren sind von Montag bis Freitag jeweils für sechs Stunden bei uns. Für alle, die mit ihren Eltern nicht wegfahren können, bieten wir Fußball mit Spaß.“, erklärt Helmig.


Dieser Text erschien erstmals im Stadionmagazin "Mein VfL", Saison 2002/03