Historie / VfL-Legenden

Frank Fahrenhorst: Die Reifeprüfung
Vor knapp zwei Jahren wechselte Frank Fahrenhorst vom VfL zu Werder Bremen. Über eine Saison lang kam der Verteidiger dort nur sporadisch zum Zuge. Erst in diesen Tagen schafft es Frank Fahrenhorst, seine wahren Qualitäten bei den Hanseaten unter Beweis zu stellen. Eine Entwicklung, ganz ähnlich wie einst in Bochum.

Nein, auf den Titel "Gefahrenhorst" will Frank Fahrenhorst immer noch nicht gern angesprochen werden: "Ach Gott, das ist ja ein ganz alter Hut", blockt er jede Erinnerung an dieses Kapitel seiner Karriere von vorneherein ab.

Und tatsächlich ist es schon eine ganze Weile her, dass dieser Rufname in Bochum einmal Konjunktur hatte. Es war vor rund sechs Jahren, da kam zunächst in den Internetforen des VfL die Wortschöpfung auf - und in welche Richtung sie zielen sollte, war klar: Frank Fahrenhorst galt vielen Fans damals als zwar talentierter, letztlich aber wenig zuverlässiger Verteidiger.

Noch lange eilte Fahrenhorst daraufhin in Fankreisen der Ruf als wandelnde Gefahrenquelle voraus. Dabei war unser Eigengewächs, "Fahne" kickte bereits seit seinem 16. Lebensjahr in der VfL-Jugend, einst mit so positiven Schlagzeilen in den Profifußball durchgestartet: Anfang 1997 bestritt er sein erstes Bundesligaspiel beim VfL und wurde sogleich zu den "jungen Wilden" gezählt - den Youngstern, die Klaus Toppmöller in Bochum zu ganz Großen formen wollte.

Doch bis das soweit sein sollte, brauchte Frank Fahrenhorst noch eine Weile. In den folgenden Jahren kam er zwar immer häufiger zum Einsatz, doch seinen großen Durchbruch feiert er, als Peter Neururer Ende 2001 das Ruder beim VfL übernahm. Unter dem Trainer, den Fahrenhorst heute selbst als seinen "zweiten Entdecker" bezeichnet, blühte der Verteidiger mit neuer Konstanz auf - wohl nicht zuletzt deshalb, weil Neururer es verstand, seinen Schützling ganz besonders in sein Vertrauen zu ziehen. Ganz gezielt hob er immer wieder seine Qualitäten hervor, redete ihn förmlich stark: Frank Fahrenhorst dankte es mit immer außergewöhnlicheren Leistungen.

Innerhalb weniger Jahre wuchs nun ein absoluter Führungsspieler heran, einem der Exponenten der VfL-Rekordsaison 2003/04. Im Ruhrstadion stieg "Fahne" doch noch zu einem echten Publikumsliebling auf - und nicht nur dort: Als einer der ersten Spieler der Vereinsgeschichte schaffte er den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft.

Als Fahrenhorst im August 2004 schließlich sein erstes A-Länderspiel bestreiten durfte, trug er freilich bereits nicht mehr das Trikot des VfL. Wenige Wochen zuvor hatte er seinen Wechsel zum SV Werder Bremen vollzogen, der damals gerade deutscher Meister geworden war. Diesem Lockruf hatte Fahrenhorst nicht widerstehen können und wollen: Champions League und Weltmeisterschaft 2006 waren die neuen Perspektiven von Frank Fahrenhorst.

Doch wie schon in Bochum wurde auch beim SV Werder nicht auf Anhieb alles Gold, was bereits so hell zu glänzen schien. Nach schwerer Verletzung im Herbst 2004 verlor Fahrenhorst den Anschluss ans Team sowie seinen gerade gewonnen Platz im Kader der Nationalmannschaft.

Nicht wenige sahen Fahrenhorst deshalb seine Zelte an der Weser bereits wieder abbrechen, doch davon wollte der ehrgeizige Profi nie etwas wissen: "Ich kämpfe mich durch diese Krise durch", ließ er noch Ende Oktober letzten Jahres wissen - Fahrenhorst hatte damals gerade einmal zwei Saisoneinsätze bestritten.

Und tatsächlich ist seitdem eine Menge passiert: Seit einigen Monaten hat sich Fahrenhorst wieder zum Stammspieler in der Werder-Abwehr vorgekämpft, seine Formkurve steigt unaufhörlich. Den letzten Beweis seiner neuen Stärke lieferte er vor anderthalb Wochen im Champions League Hinspiel gegen Juventus Turin, als er den Weltklasse-Stürmer Zlatan Ibrahimovic über 90 Minuten ausschaltete. Sogleich forderten Bremer Zeitungen eine Rückkehr ihres Profis in die Nationalelf.

Spekulationen, die Frank Fahrenhorst heute westfälisch gelassen aufnimmt: "Es wird immer so viel erzählt, und dann kommt doch alles ganz anders. Ich konzentriere mich nur auf Werder." Er tut recht daran. Und doch scheint es, als sei Frank Fahrenhorst gerade dabei - wieder nach etwas Anlaufzeit - auch seine zweite Reifeprüfung zu meistern.