Historie / VfL-Legenden

Mirko Dickhaut: Alles auf Anfang
Er ist wieder zuhause: Zwölf Jahre lang kickte Mirko Dickhaut bei Eintracht Frankfurt, Schwarz-Weiß Bregenz und unserem VfL im Profifußball. Nun ist der Hesse an die Anfänge seiner fußballerischen Vergangenheit zurückgekehrt: zu seinem Ex-Klub Hessen Kassel, wo er die letzte Etappe seines aktiven Fußballer-Lebens verbringen will.

Ein bisschen Wehmut ist dann doch dabei: Nach fast einem Jahr kehrt Mirko Dickhaut wieder zurück ins Ruhrstadion - an die Stätte, in der er früher selbst als Aktiver so häufig im Mittelpunkt des Geschehens stand. Doch diesmal, zum Heimspiel gegen Hansa Rostock, sitzt er nur als Besucher auf der Tribüne.

Fast drei Jahre ist es her, da verließ Mirko in der Winterpause der Saison 2002/03 den VfL Bochum in Richtung Bregenz. Richtig glücklich waren damals weder er noch der Verein über diesen Wechsel: Der VfL verlor einen seiner zuverlässigsten Spieler und absoluten Sympathieträger, der Spieler den Klub, der ihm "nach fast sechs Jahren sehr ans Herz gewachsen" war. Doch die fehlende Perspektive in der Bundesliga und die Aussicht auf eine sichere Stelle in Österreich überzeugten Dickhaut damals von der Notwendigkeit, den Schritt ins Ausland gehen zu müssen. Der VfL wollte ihm diese Chance nicht verbauen.

Mirko Dickhaut verließ also das Ruhrgebiet - aber hakte das Thema Bochum damit für sich keineswegs ab: "Die Stadt war längst Teil meines Lebens geworden, hier hatte ich wirklich gute Freunde gefunden", erklärt Mirko rückblickend und ergänzt: "Deshalb habe ich schon von Bregenz aus so gut es ging versucht, den Kontakt hierher zu halten. Aber jetzt ist natürlich alles wieder einfacher geworden."

Einfacher, weil Mirko Dickhaut mit Beginn dieser Saison an die Anfänge seiner fußballerischen Vergangenheit zurückgehrt ist: Zurück in seine Heimat zum Oberligisten Hessen Kassel, nur gut eine Autostunde von Bochum entfernt. Hier in Nordhessen wagte er vor gut zwölf Jahren seine ersten Schritte auf größerer Fußballbühne und von hier aus führte ihn 1993 der Weg in die Bundesliga zu Eintracht Frankfurt und Trainer Klaus Toppmöller, der ihn dann vier Jahre später mit zum VfL nahm.

In Kassel will er nun gemeinsam mit anderen Ex-Profis wie Marc Arnold und Francis Bugri versuchen, den Traditionsverein KSV Hessen, der 1997 noch Konkurs anmelden musste und sich aus der Kreisklasse zurück in die vierte Liga kämpfte, an alte Erfolge heranzuführen: "Natürlich hat das private Umfeld eine wichtige Rolle für meine Rückkehr gespielt, aber ich bin auch überzeugt, hier eine gute sportliche Perspektive zu haben", verdeutlicht Dickhaut, der nach Ende seines Dreijahresvertrags in Kassel in Management oder Trainerstab des Vereins wechseln will.

Natürlich hat aber auch die neue Nähe zu Bochum eine Rolle in den Planungen des 34-Jährigen gespielt - denn die Ruhrstadt ist über die Jahre längst zu einer zweiten Heimat für Mirko Dickhaut geworden. "Von Kassel aus", hat sich Mirko Dickhaut fest vorgenommen, "werde ich mir nun wieder häufiger VfL-Spiele anschauen können. Denn ich komme immer gern hierher zurück."

Kein Wunder, denn auch nach fast drei Jahren wird beim Heimspiel gegen Rostock deutlich, dass Mirko Dickhaut - egal ob "nur" auf Besuch oder nicht - immer noch als Teil der großen VfL-Familie aufgenommen wird: Fans, ehemalige Mitspieler und vor allem die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle erkennen ihren ehemaligen "Musterprofi" auf Anhieb, freuen sich über das Wiedersehen: "Es stimmt schon, ich musste heute schon eine ganze Menge Hände schütteln", erklärt Dickhaut darauf angesprochen bescheiden.

Der große Zusammenhalt im VfL Bochum hatte es Mirko Dickhaut schon zu aktiven Zeiten besonders angetan: "Wir waren wirklich eine verschworene Truppe damals. Das war ganz bestimmt ein Schlüssel zu unseren damaligen Aufstiegen", verdeutlicht Dickhaut, der das VfL-Team im Jahr 2000 als Mannschaftskapitän zurück in die Bundesliga führte.

Nun nicht mehr aktiv zu diesem Kreis zu gehören, fällt dem früheren VfL-Defensivallrounder nicht immer ganz leicht: "Ganz ehrlich, ein bisschen kribbelt es immer noch, wenn ich wieder hier im Stadion bin. Am liebsten wäre ich manchmal wie früher unten auf den Rasen gehen", verrät Mirko, schränkt aber sogleich ein: "Aber ich weiß natürlich, dass diese Zeiten vorüber sind. Und die Erinnerung an meine aktive Zeit hier in Bochum kann mir niemand nehmen."

Und die konnte Mirko Dickhaut dann auch nach dem Spiel mit den Kollegen von einst teilen. Rein van Duijnhoven und er redeten nach dem 1:0-Sieg über alte Zeiten, als unser Torwart die Gelegenheit beim Schopfe ergriff: "Rein hat mich überredet, dass ich gegen Dresden unbedingt ins Stadion kommen muss. Wenn das mit meinen Trainingszeiten in Kassel irgendwie zeitlich passen sollte, werde ich natürlich wieder da sein."

Kein Zweifel, Mirko Dickhaut werden wir demnächst wieder häufiger im Ruhrstadion sehen. Ganz ohne Wehmut.


Dieser Artikel erschien am 20.09.2005 im Stadionmagazin "Mein VfL" in der Serie "Die Aufstiegshelden des VfL"