Historie / VfL-Legenden

Frank Benatelli: Irgendwann zurück in die Bundesliga
(aj) Frank Benatelli ist ehrlich, verstellt sich nicht. Ganz offen gibt der Ex-Profi des VfL preis: „Wenn ich im Ruhrstadion von Herbert Grönemeyer `Bochum` höre, dann geht mir das immer noch unter die Haut.“ Es ist halt „seine“ Stadt. Er ist hier geboren, aufgewachsen, hat hier gespielt. „Mein VfL“ hat den 40jährigen getroffen und blickt mit dem ehemaligen Spielbeobachter von Hertha BSC Berlin auf eine Karriere zurück, die als Aktiver viel zu früh beendet war.

Der Trainer Benatelli steht vielleicht erst am Anfang einer ruhmreichen Laufbahn. Eigentlich läuft alles nach Plan. Frank Benatelli ist ein junger, ehrgeiziger Fußballer. Der in Bochum- Linden lebende Stürmer schafft über die eigene A-Jugend und Amateur-Mannschaft den Sprung in den Profi-Kader. 1983 ist das. Der VfL, trainert von Rolf Schafstall, zeichnet sich damals insbesondere dadurch aus, Spieler aus dem eigenen Nachwuchs an den Profi-Kader heranzuführen. Solide, aber nicht spektakulär, halten die Bochumer so Jahr für Jahr die Klasse.

Frank Benatelli gehört ab 1983 dazu und erinnert sich an sein erstes Bundesliga-Spiel (insgesamt 192/13 Tore): „Es ging gegen den VfB Stuttgart. Karl-Heinz Förster war mein erster Gegenspieler. Der war gerade Vize-Weltmeister geworden. Beim 2:2 habe ich mich, glaube ich, ganz gut aus der Affäre gezogen.“ Er ist angekommen in Deutschlands Eliteliga, hat sich den Traum erfüllt, den er bei früheren Partien noch in der Ostkurve träumte. Dort stand als Jugendlicher der Fan Benatelli. Eingetragenes Mitglied im Fanklub „Bochum-Süd“.

In den Jahren darauf ist das VfL-Trikot samstags um 15.30 Uhr nicht mehr Freizeitdress, sondern Arbeitskleidung. Frank Benatelli wird im Mittelfeld des VfL Bochum der Gestalter. Dynamisch und mit brillanter Technik ausgestattet setzt er seine Mitspieler im Sturm ein. Klaus Fischer, Stefan Kuntz, Christian Schreier und Uwe Leifeld profitieren von seinen Pässen.

„Und dann kam 1991 dieses Spiel bei Borussia Mönchengladbach“, denkt er an das verhängnisvollste Spiel seiner Karriere zurück. Die Patellasehne wird schwer beschädigt, das Knie verliert seine volle Funktionsfähigkeit. „Eine ganze Zeit habe ich mich mit Spritzen und Tabletten noch gequält. Wir steckten mal wieder im Abstiegskampf. Ich musste meinem Verein doch helfen.“ Doch kurz darauf geht nichts mehr. Mit 28 Jahren wird Frank Benatelli Sportinvalide – im besten Fußballalter.

Heute ist er froh, dass er nahezu beschwerdefrei joggen und Fußball spielen kann. „in der VfL-Traditionself treffe ich viele ehemalige Mitspieler. Das macht Riesenspaß!“ Benatelli spielt immer dann mit, wenn es seine Zeit zulässt. Die ist aber relativ knapp. Seit dreieinhalb Jahren ist der geprüfte Fußball- Lehrer Cheftrainer bei Oberligist Schwarz-Weiß Essen. Mit wenig Geld, aber sehr viel Einsatz spielt der ETB am Nordrhein ganz oben mit. „Ich hab das Erfolgsrezept vom VfL aus den 80ern einfach übernommen“, schmunzelt „Bena“, der sich als Ziel gesetzt hat, selbst einmal Bundesliga-Coach zu werden.

Bei den Schwarz-Weißen vom Uhlenkrug muss der Trainer, Co- Trainer, Torwarttrainer und Spielbeobachter in Personalunion deshalb viel improvisieren. Benatelli: „Aber das war beim VfL zu meiner Zeit auch nicht viel anders. Gut, dass mit Werner Altegoer jetzt ein Unternehmer mit Weitblick in der Verantwortung steht. Sein Engagement beeindruckt mich.“

Zum heutigen Gegner des VfL Bochum hat der Ex-Profi durchaus einen engen Bezug. „Bis zur Entlassung von Jürgen Röber habe ich die kommenden Gegner von Hertha BSC beobachtet. Dabei Taktik und aktuelle Verfassung analysiert.“ Gerne gibt der Familienvater seine Erfahrung auch an den eigenen Nachwuchs weiter. Tochter Laura (13) spielt in der Mädchen- Mannschaft von Waldesrand Linden, Sohn Rico (10) ist Kapitän der E1-Junioren des VfL Bochum. „Die gehen genauso begeistert ins Stadion wie ich damals. Schön, dass wir in unserer Stadt wieder stolz auf den VfL sein können.“ Und während der Papa bei „Bochum“ mal wieder eine Gänsehaut bekommt, singen Laura und Nico lauthals mit.


Text und Fotos erstmalig erschienen im Stadionmagazin "Mein VfL", Ausgabe 3.11.2002