Historie / VfL-Legenden

Dieter Bast: Lieber Bochum als Bayern
(aj) Eine Sache fällt auf den ersten Blick auf: Dieter Bast hat keinen Oberlippenbart mehr. Im vergangenen Jahr musste der Schnäutzer dran glauben. „Damit sehe ich jünger aus“, scherzt der 51jährige.

Der Bart war ein markantes Merkmal für Bast, der von 1977 bis 1983 für den VfL Bochum spielte. Die Position des Liberos schien für ihn wie geschaffen. Laufstark und mit einer sagenhaften Technik ausgestattet gab Bast sechs Jahre lang für den VfL in der Bundesliga den freien Mann. „Mein VfL“ hat ihn jetzt besucht. Wir verraten kuriose Geschichten, die Bast in fast zwei Jahrzehnten als Profi erlebt hat und sagen, was er heute macht.

800.000 Mark blättern die Bochumer für den gestandenen Profi hin. Über die Junioren-Auswahlteams und die B-Nationalmannschaft des DFB genießt der damalige Mittelfeldspieler höchste Anerkennung. Um Bast buhlt neben dem VfL noch ein anderer Klub.

Und das ist kein geringerer als der FC Bayern München. Dieter Bast blickt zurück: „Eines Abends klingelte bei mir zu Hause das Telefon. Dettmar Cramer, damals Bayern- Trainer, war dran und wollte mich unbedingt haben. Ich sollte zu Verhandlungen nach München kommen.“ In den „heiligen Hallen“ des FC Bayern ist schließlich im Sommer 1977 alles vertreten, was Rang und Namen hat, um mit Bast zu verhandeln. Bei seinem ersten Auftritt schaut Manager Robert Schwan allerdings ziemlich ungläubig: „Wie? Haben Sie gar keinen Berater dabei?“ – „Nö“, sagt Bast, „das mache ich selbst.“

Wieder daheim im Ruhrgebiet ist der VfL sein Gesprächspartner. Von Beginn an ist der Gedanke an Bochum Dieter Bast lieber. „Ich war frisch verheiratet und gerade Vater geworden. Fremde Umgebung war mir da nicht so recht. Außerdem passte auch das Angebot des VfL“, verrät er die Entscheidung contra FC Bayern. Nur auf die Unterschrift musste Präsident Ottokar Wüst länger warten als ihm lieb war. „An einem Freitag meinte der Präses, dass alles bereit sei. Dummerweise war das aber ein 13., und als abergläubischer Mensch bin ich dann erst am Samstag zu Herrn Wüst gefahren.“

Schnell stellt sich heraus, dass der VfL mit Dieter Bast einen Glücksgriff getan hat. Nach kurzer Eingewöhnungsphase wird er prompt Kapitän. Trainer Heinz Höher entdeckt ihn dabei für den Libero-Posten. Aus der eigenen Defensive gestaltet Bast den Aufbau, bestimmt das Tempo. Insgesamt trägt er in 192 Spielen (24 Tore) das VfL-Trikot in der Bundesliga. Seine beste Partie ist dabei wohl das 2:1 am 28. Januar 1978 im Ruhrstadion gegen den FC Bayern. Dieter Bast schießt gegen Sepp Maier beide Tore.

1983 endet schließlich seine Zeit in Bochum. Wirtschaftliche Nöte zwingen den VfL neben Bast auch Uli Bittorf und Wolfgang Patzke zu Bayer Leverkusen zu verkaufen. Für eine Million Mark geht das Trio zu Bayer 04. „Zu vielen Mitspielern habe ich noch Kontakt. Jupp Tenhagen, Ata Lameck, Katze Zumdick und ich treffen uns regelmäßig oder telefonieren. Und den ehemaligen Torhüter Reinhard Mager, der jetzt in Berlin lebt, sehe ich immer beim DFB-Pokalfinale.“

Wäre doch zu schön, wenn in dieser Saison der VfL zum dritten Mal das Endspiel erreichen würde. Ganz sicher würde dann Dieter Bast auf der Tribüne die Daumen drücken. Zumal er immer noch ein gern gesehener Gast in Bochum ist. Gelegentlich parkt sein Renault vor dem Stadion: „Mit Heinz Knüwe habe ich ja noch selbst gespielt. Ab und an schaue ich mal zum Gespräch vorbei. Freut mich wirklich, dass der VfL wieder so erfolgreich ist.“


Text und Fotos erstmalig erschienen in der Saison 2002/03 im Stadionmagazin "Mein VfL"