Historie / VfL-Legenden

Holger Aden und Peter Közle: "Wir können den Jungs noch viel mitgeben"

Im November 1999 standen die Ex-Spieler Holger Aden und Peter Közle der VfL-Online-Redaktion für ein Interview zur Verfügung. Aden, der nach 42 Spielen im VfL-Trikot seine Karriere im Jahr 1996 wegen einer Verletzung vorzeitig beenden musste, betreute zu diesem Zeitpunkt den Bochumer Kreisligisten Union Günnigfeld, bei dem Peter Közle als Spieler aktiv war.
Közle, der in seiner VfL-Zeit von 1995 bis 1998 die größten Vereinserfolge hautnah miterlebte, galt schon zu aktiven Zeiten als ein "enfant terrible" der Bundesliga. Folgend das Interview:

Ihr galtet beide zu Euren aktiven Zeiten als Publikumslieblinge unter den VfL-Fans. Werdet Ihr heute noch von den Fans erkannt?

Peter Közle: Natürlich ist das im Stadion immer ein großes Hallo, wenn wir von den Fans angesprochen werden. Mir macht das immer sehr viel Spaß, zumal ich das heute auch richtig genießen kann. Da kann man mal in Ruhe auch ein paar Bierchen trinken - oder zwei...

Holger Aden

Holger Aden: Es ist schon toll, was man dem Fußball alles zu verdanken hat. Ich habe nie unter dieser Popularität gelitten - ganz im Gegenteil. Ich erinnere mich noch gut, als ich mit dem Auto in Hamburg unterwegs war und gerade eine Straße gesperrt wurde. Aber als mich der Polizist gesehen hat, meinte er: "Wow, das ist ja Holger Aden. Na fahr mal noch schnell durch." Mit welchen Gefühlen schaut Ihr Euch heute die Spiele an.

Ist da nicht ein gewisser Wehmut dabei - ihr seid beide eigentlich noch im besten Fußballalter?

Peter Közle: Natürlich tut mir das schon manchmal weh, aber ich muß mich damit abfinden. Es geht einfach nicht mehr mit meinem Knie - ich hätte ja eigentlich noch mindestens ein Jahr länger spielen wollen. Als Profi denkt man gar nicht darüber nach, wie schnell alles vorbei sein kann. Ich war immer jemand, der auch mal fünfe hat gerade sein lassen, aber heute denke ich da wirklich anders. Ich sage jedem Profi: Genieß jeden Moment Deines Fußballerlebens; wer weiß, wie lange Du etwas davon hast.

Holger Aden: Bei mir ist das nicht mehr ganz so schlimm, da ich einfach schon länger nicht mehr dabei bin. Da hat man schon mehr Abstand gewonnen. Ich habe mir mit meinem Laden ja auch schon ein eigenes Standbein - unabhängig vom Fußball - schaffen können.

Wie sieht das eigentlich aus?! Seht Ihr Eure Zukunft weiter im Fußballbereich?! Du arbeitest seit kurzer Zeit nebenbei für den VfL, Holger.

Holger Aden: Ja. Ich werde in verschiedenen Bereichen eingesetzt, das geht bis zur Spielbeobachtung. Vor allem aber soll ich eine Brücke zu den Fans schlagen - wir müssen zugeben, daß hier in der Vergangenheit einiges nicht richtig überkam. Ich werde versuchen, in vielen Gesprächen die entstandenen Risse zu kitten.

Peter Közle

Peter Közle: Ich kann mir auch vorstellen, weiter im Fußballbereich zu bleiben. Ich habe da Kontakte zu einer Produktuionsfirma, wir werden sehen, was sich daraus entwickelt.

Ihr seid beide im Bochumer Lokalverein Union Günnigfeld engagiert - Holger als Coach, Peter als Spieler. Wie kam es dazu?

Peter Közle: Das Angebot von Holger, bei Union mitzuspielen, hat mir natürlich sehr gefallen. In diesem Rahmen kann ich noch gut mithalten und es macht wirklich sehr viel Spaß dort. Das ist die Hauptsache! Welchen Kontakt habt Ihr noch zum VfL? Ihr habt doch noch mit einigen aus dem Team zusammen gespielt...

Holger Aden: Naja, wenn ich mir die Mannschaft heute anschaue, dann stehen da schon ganz andere Namen auf dem Platz. Viele Youngster, was ja auch sehr zu begrüßen ist. Peter Peschel ist ein "alter Hase", zu dem wir auch noch den meisten Kontakt haben.

Was traut Ihr der Mannschaft in der laufenden Saison noch zu? Wie realistisch ist das Ziel Aufstieg?

Peter Közle: Sehr realistisch. Ich erinnere mich zwar noch gut an die Niederlagen gegen Cottbus und Berlin, aber diese Periode scheint ja jetzt vorüber.

H. Aden in seinem Geschäft

Holger Aden: Ich denke auch, daß der VfL mit seinem Kader locker ganz oben mitspielen kann. Und gerade wenn Du Berlin ansprichst: So stark sind die hier trotz des hohen Sieges (TB gewann 6:2, d.R.) auch nicht aufgetreten. Sicherlich keine unschlagbare Mannschaft...!

Was denkt Ihr, wenn Ihr die heutige Entwicklung im Fußball seht?! Die Zeit der großen Einnahmen habt Ihr beide knapp verpaßt...

Peter Közle: Deshalb mache ich aber niemandem heute einen Vorwurf. Es ist ja schließlich jeder selbst dafür verantwortlich, was er mit seinem Vertrag macht. Das heute dank Bosmann viel mehr verdient werden kann, ist schon irgendwo Pech für uns. Aber darüber mache ich mir keinen Ärger...

Holger Aden: Ich denke, wir können gerade den jungen Spielern heute auch einiges mit auf den Weg geben. Vielleicht haben viele ihre Ansprüche inzwischen auch zu hoch geschraubt. Was Peter eben gesagt hat, fand ich sehr treffend. Wir sollten den Spielern sagen, daß sie sich voll auf den Fußball konzentrieren sollen, ja müssen. Es ist ihr Job. Ich habe es zu aktiven Zeiten auch oft lasch angehen lassen, aber heute bereue ich das. Wer weiß, vielleicht könnte ich heute noch mitspielen. Das sind Gedanken, die gehen einem als Aktiver nicht durch den Kopf...

Wie verbringt Ihr sonst so Eure Freizeit?

H. Aden in seinem Geschäft

Peter Közle: Momentan organisieren wir eine große 80er Jahre-Party, die am 10.12. im ThreeSixty (Bar im Bermudadreieck nähe Engelbertbrunnen, d.R.) steigt. Das wird sicherlich eine Risengaudi und wir hoffen, daß da auch so der eine oder andere Spieler aufkreuzt.

Holger Aden: Das dürfte schwer werden - die spielen ja am nächsten Tag. Aber alle Leser von der Homepage sind natürlich herzlich eingeladen...

Apropos Internet: Seid Ihr beide online?

Holger Aden: In meinem Geschäft habe ich jetzt einen online-Anschluß, aber viel beschäftigt habe ich mich damit bisher noch nicht. Bisher habe ich nur nach Naomi Campbell gesucht.

Und die VfL-Homepage natürlich?!

Holger Aden: Ehrlich gesagt, nein: Naomi geht da einfach vor...