Historie / VfL-Legenden

Holger Aden: (K)ein ganz besonderes Spiel

Eigentlich müsste es für ihn heute ein ganz besonderes Spiel sein: Holger Aden erlebte beim VfL und Eintracht Braunschweig die Höhepunkte seiner Karriere. Für beide Teams ging der Stürmer Anfang der 90er Jahre auf Torejagd und erzielte in sechs Spielzeiten 72 Treffer.

Zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren stehen sich der VfL und Eintracht Braunschweig an diesem Sonntag zu einem Pflichtspiel im Ruhrstadion gegenüber, aber ausgerechnet Holger Aden lässt das völlig kalt: "Solch ich ganz ehrlich sein?", antwortet er auf die Frage, was ihm dieses Spiel persönlich bedeutet. "Mit dem Fußball habe ich generell nicht mehr viel am Hut. Und auch wenn meine beiden alten Teams heute gegeneinander spielen, lässt mich das innerlich eigentlich ziemlich kalt."

Dabei ist es gerade einmal gut zehn Jahre her, da sorgte Holger Aden noch erst in Braunschweig, dann in Bochum für mächtig Torwirbel. Aufgegangen war der Stern des gebürtigen Hamburgers bei der Eintracht, wo er seit 1989 mit stetig steigendem Erfolg auf Trefferjagd ging: Nach dreizehn und vierzehn Saisontoren waren es schließlich allein in der Zweitliga-Vorrunde 1992/93 sagenhafte 19 Treffer in 22 Spielen, die seinen Ruf als "Torfabrik" endgültig begründeten.

Eine Fabrik, wie sie der VfL zum gleichen Zeitpunkt dringend benötigte. Mit nur acht Punkten und 18 Toren fand sich unser Team nach der Hinrunde abgeschlagen auf dem letzten Platz wieder, weshalb sich das VfL-Management auf die Suche nach einem Hochkaräter für die Offensive machte - und in Braunschweig fündig wurde. Dort hatte sich Aden einen Passus in seinen Vertrag einbauen lassen, der ihn bei einem Angebot eines Erstligisten gehen ließ: "Deshalb war für mich alles klar, als sich der VfL bei mir meldete", erinnert sich der damals 27-Jährige.

Tatsächlich fand der VfL mit Aden in der Rückrunde, nicht zuletzt dank neun Treffern des Neuzugangs, zu alter Form zurück: "Hätte nur die zweite Serie gezählt, wären wir in den UEFA-Cup gekommen", rechnet er die damalige Tabelle um. Doch alle Zahlenakrobatik half nichts: Genau ein Punkt fehlte dem VfL am Ende der Saison 1992/93, um den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern.

Die Art und Weise jedoch, wie sich der Verein aus dem Oberhaus verabschiedete, nötigt Aden noch heute jeden Respekt ab: "Wir haben jedes Spiel bedingungslos gefightet, sind manchmal sogar 150% gegangen. Das war Abstiegskampf pur bis zur letzten Minute." Diesen Einsatz bewerte er deshalb persönlich sogar noch höher als den folgenden Wiederaufstieg, an dem er ebenfalls mit sieben Toren beteiligt war, erklärt Aden: "In der Zweiten Liga waren wir die haushoch überlegene Mannschaft. Aber so ein Fight wie im Jahr davor kam meiner Spielweise viel mehr entgegen. Ich war nie der große Techniker und bin beim Publikum auch nur dann besonders gut angekommen, wenn ich richtig Vollgas geben konnte."

Das hätte Holger Aden gern noch viel länger getan, schließlich waren beim VfL schon in der nächsten Erstligasaison wieder echte Kämpfernaturen gefragt. Doch bei diesem neuerlichen Abstiegskampf war Aden bereits zum Zuschauen verurteilt. Ein Außenmeniskusriss, wenig später ein Kreuzbandriss, beendeten seine Stürmerkarriere mit nur 29 Jahren. Zwar arbeitete Aden zwei Spielzeiten immer wieder von neuem an seinem Comeback, eine Rückkehr ins Team sollte ihm jedoch nicht mehr gelingen.

Dieses vorzeitige Karriereende hat bis heute das Verhältnis des mittlerweile 40-Jährigen zu seinem einstigen Haupterwerb nachhaltig beeinflusst: "Ich war nie echter Fan einer Mannschaft, höchstens in meiner Jugend vom HSV", verdeutlicht der Hanseat, warum ihn ein Stadionbesuch heute betont kalt lässt. "Wenn ein Freund mich danach fragt, begleite ich ihn, aber ansonsten zieht mich wenig dahin."

Auch seinen Ausflug in die Trainerzunft hat Holger Aden schon vor Jahren beendet: "Bei den heutigen Spielern habe ich einfach nicht mehr die richtige Einstellung wieder gefunden", blickt er leicht resigniert auf sein Engagement beim Bochumer Bezirksligisten Union Günnigfeld zurück, "aber wahrscheinlich habe ich auch auf einem falschen Level begonnen."

Mit dem Fußball hat Aden deshalb, "zumindest für den Moment", abgeschlossen. Seit einigen Monaten hat er beim VfL-Hauptsponsor DWS Investments einen Job gefunden: "Seitdem pendele ich jede Woche von Frankfurt ins Ruhrgebiet, da meine Frau weiterhin in Bochum wohnt. Auch wenn wir das auf Dauer ändern wollen, komme ich damit derzeit gut zurecht." In sein neues Leben ohne rundes Leder hat sich Holger Aden offensichtlich gut eingelebt.

Und fußballerisch bleiben seine Gedanken wohl eh immer auf dem 16. September 1994 stehen. Jenem Tag, als er zum letzten Mal in seiner Karriere auf große Torejagd gehen durfte. Bei jenem 1:3 gegen den SC Freiburg riss sich Aden das lädierte Kreuzband ausgerechnet bei einem Schuss ins gegnerische Tor. Unter dem Jubel der Zuschauer wurde Holger Aden von den Sanitätern vom Platz getragen - ein Finale, wie es sich für einen Torjäger gehört.


Dieser Text erschien im Stadionmagazin "Mein VfL", Ausgabe 19.3.2006